Stadion an der Kreuzeiche
Oberliga Baden - Württemberg (5.Liga)
Zuschauer: 2006 (etwa 400 Gäste)
Auslastung: 13,17 Prozent
Kaum war das Brandenburg‑Derby an der Havel abgepfiffen, begann schon das nächste Kapitel dieser Fußballreise. Noch mit dem Echo der Derbygesänge im Ohr ging es direkt zum Zug, der mich einmal quer durchs Land in die Baden ‑ Württembergische Großstadt Reutlingen bringen sollte. Am nächsten Tag wartete dort das Duell mit Spitzenreiter Aalen.
Die Strecke führte über Braunschweig, Mannheim und Stuttgart, wo der Zug die Besucher von den Frühlingswasen eingesammelte. Von Bierzelt‑Aftershow, Karaoke‑Resteverwertung und „Wer kann noch stehen?“-Wettbewerb war alles dabei. Einige Passagiere hatten offenbar schon seit Stunden eine sehr enge Beziehung zu ihrem Maßkrug gepflegt – und diese Beziehung sah man ihnen an. Und hörte man. Und roch man. Und ausgerechnet an diesem Abend, an dem wirklich alles hätte schiefgehen können, zeigte die sonst so gescholtene Bahn ihre beste Seite: keine Verspätung, kein Chaos, einfach nur rollen lassen. Ein Hoch darauf.
Das Spiel wurde von den Sicherheitsbehörden um einen Tag verlegt, um zu verhindern, dass Reutlinger Freunde aus Stuttgart und St. Gallen anreisen, die am Sonntag ebenfalls Spiele hatten. Dies geschah, obwohl es beim Hinspiel – als die Freunde spielfrei waren und rund 400 Gästefans anwesend waren – zu keinen größeren Problemen gekommen war.
Der frühere Zweitligist spielt seit der Saison 2010/2011 in der fünftklassigen Oberliga. Das Stadion an der Kreuzeiche bietet jedoch deutlich höhere Voraussetzungen: Die 2003 eröffnete Haupttribüne mit über 5.000 Sitzplätzen ist ein echter Blickfang. Rund um das Stadion liegen sieben Rasen- und Kunstrasenplätze, auf denen unter anderem die Young Boys Reutlingen aus der Verbandsliga ihre Heimspiele austragen. Die naturnahe Umgebung macht das Areal zudem zu einem attraktiven Ort für Rekreation.
Da ich für dieses Spiel akkreditiert war und mich in unmittelbarer Nähe des heimischen Fanblocks rund um die Szene E aufhielt, kam es schnell zu den ersten Gesprächen. Wer ich bin, für wen ich fotografiere, wie das mit dem Verpixeln läuft – alles völlig fair, respektvoll und ohne irgendwelche Schärfe. Und man muss es einfach sagen: Nach über 15 Jahren in der tristen Oberliga noch immer einen so großen, lebendigen Fanblock zu stellen – zuhause wie auswärts – das ist absolut respektable. Dazu viele Nachwuchskräfte, die sichtbar Bock haben, die Kurve weiterzutragen.
Während sich die Heimseite sortierte, wurden die Gäste aus Aalen bereits vom Parkplatz aus mit einem massiven Polizeiaufgebot zum Gästeblock eskortiert. Dort angekommen folgte der erste verbale Austausch zwischen den beiden Fanlagern – nichts Übertriebenes, eher das übliche Abtasten, das zu so einem Duell dazugehört.
Im weiteren Verlauf konzentrierten sich beide Kurven vor allem darauf, ihre eigene Mannschaft nach vorne zu treiben. Am kreative gestalteten Zaun der Aalener hingen zudem noch die Fetzen der Eishockey Freunde aus Landshut, und auch Sandhausen war mit einem Banner präsent. Zudem präsentierten die Gäste von der Ostalb eine Choreografie in Form von Weissen und Schwarzen Ponchos, die im Block ein einheitliches Bild ergaben.
Trotz der deutlich unterschiedlichen Ausgangslage - der VfR Aalen mit komfortablem Elf‑Punkte‑Vorsprung an der Tabellenspitze, der SSV Reutlingen nur knapp über der Abstiegszone – entwickelte sich ein überraschend ausgeglichenes Spiel. Reutlingen setzte immer wieder kleine Nadelstiche nach vorne und konnte sich dabei auf einen engagierten Support verlassen. Selten gehörtes, kreatives Liedgut wie „Stimm mit ein, heute einmal Sieger sein“ sowie einige Gassenhauer aus dem E‑Block prägten die akustische Kulisse, während die sportlich orientierte Gruppe hinter der BS 11 Fahne sich eher zurückhielt im Block.
Mit zunehmender Spielzeit erhöhte der Favorit von der Ostalb jedoch den Druck und kam zu mehr Chancen. Die eigenen Fans trieben den Tabellenführer immer wieder nach vorne, auch wenn die große Distanz zum Spielfeld die Akustik spürbar dämpfte. In der 73. Minute schließlich die entscheidende Szene: Nach einer Ecke erzielten die Gäste das 0:1. Reutlingen warf in der Schlussphase noch einmal alles rein und erarbeitete sich weitere Möglichkeiten, doch der Ausgleich blieb aus. Am Ende stand ein knapper, etwas Glücklicher Auswärtssieg möglicherweise sogar das Tor, das den Aalenern endgültig den Weg zum Aufstieg ebnet.
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