10.05.2025 / 14:00 Uhr
Glonner Arena
Regionalliga Tirol (4.Liga Österreich)
Zuschauer: 950 (etwa 300 Gäste)
Auslastung: 95,00 Prozent
Bericht: Mittel - Michi
Ein sonniger Sonnabend und noch nichts vor? Zeit für einen Hopping-Ausflug
nach Ebbs. Ebbs ist eine Gemeinde mit knapp 6000 Einwohnern in der Nähe
von Kufstein. Der etwas irritierende Vereinsname hat nichts mit der
Kreisstadt in Oberbayern zu tun, sondern bezieht sich auf den
Hauptsponsor und Holzunternehmen Freisinger das u. a. Häuser aus Holz
produziert.
Die Anreise erfolgte relativ bequem mit den Öffentlichen,
„relativ“ weil die Münchner Stammstreckensperrung jede Anreise durch
die Stadt weg in eine kleine Odyssee verwandelt. Ansonsten ist man mit
dem Zug von München aus schnell im schönen Kufstein, wo bereits einige
Innsbruck-Fans auf den Lokalbus nach Ebbs warten. Sie haben mehr oder
weniger Heimspiel, zahlreiche Aufkleber verraten, dass der Wacker hier
in der Region die unangefochtene Nummer eins ist.
Der FC Wacker
ist einer der erfolgreichsten Vereine Österreichs, blickt unter anderem
auf 10 Meistertitel und diverse Auftritte in internationalen
Wettbewerben zurück. Im UEFA Intertoto Cup 1995 kamen die Innsbrucker
sogar bis in Halbfinale. Dank Insolvenzen ging es jedoch in den letzten
Jahren steil bergab so dass die Innsbrucker sich aktuell – noch – in Liga 4 befinden und somit über die Dörfer tingeln müssen.
Apropos
Berge: Natürlich ist Tirol bekannt für seine Berge und so lohnt sich
ein Ausflug nach Ebbs schon allein aufgrund des Panoramas. Der SK
Freisinger spielt in der „Glonner Arena“, was natürlich ein ziemlich
hochtrabender Name ist, mutmaßlich auch wieder auf irgendeinen Sponsor
zurückzuführen, aber davon abgesehen eine durchaus passable Spielstätte
abgibt. Es gibt mehrere nicht überdachte Sitzreihen sowie ein gut
gepflegtes Vereinsheim. Die Versorgungslage ist gut, es wird lokales
Bier der Marke Egger ausgeschenkt, das hervorragend mundend. An mehreren
Ständen kann man sich unter anderem mit erstklassiger Bosna
versorgen. Das Geläuf ist auch gut in Schuss, man ist gut auf den
namhaften Gegner aus der Tiroler Landeshauptstadt vorbereitet.
Entspannt
ist die Situation im Hinblick auf die Sicherheitsorgane. Wo in unseren
Gefilden bei jedem Spiel mit Fanszene Hundertschaften der Polizei
mobilisiert werden, regelt das in Ebbs der Ordnerdienst allein. Was auch
sinnvoll ist, schließlich hat Ebbs keine organisierte Fanszene und
somit sind Konfrontationen nicht zu erwarten. Möchte man meinen, doch
tatsächlich kann man eine solche vor Spielbeginn erleben. Was war passiert? Eine Autobesatzung Münchner 1860 -Fans hat offenbar ebenfalls eine Hopping-Tour nach Ebbs geplant. Vier junge Herren im Casual-Stil haben sich auf der Tribüne breit gebracht, wovon einer glatt im ACAB-Nicki mit Löwen darauf aufläuft. Was natürlich eine grobe Respektlosigkeit gegenüber einer durchaus namhaften Szene darstellt.
Jetzt kann man über den Grad der Rivalität zwischen 1860 und Wacker
Innsbruck spekulieren. 1860 war früher mit Kaiserslautern befreundet,
der frühere Rivale von Innsbrucks Freunden der Eintracht aus Frankfurt.
Zudem gab oder gibt es Kontakte zwischen Sechzigern und Fans von Austria
Salzburg, dem wohl größten Rivalen von Wacker Innsbruck. Vielleicht
lassen sich die Wackerer
sich aber auch Nickis von anderen Szenen grundsätzlich nicht gefallen,
jedenfalls dauert es nicht lange, bis die Fäuste fliegen. Eine Überzahl
Innsbrucker drängt auf die vier Sechziger, beziehungsweise auf den
jungen Mann mit dem provokanten Nicki und versucht selbige aus dem
Stadion zu drängen. Die wehren sich. Es fliegen Gegenstände, eine
Sitzbank wird umgeworfen. Der Ordnerdienst schreitet ein und am Ende
bleiben die Sechziger, das Nicki wird aber verdeckt. Nun rücken doch
noch Polizeibeamte an, halten sich aber dezent im Hintergrund. Der
Stadionsprecher hält noch eine Ansprache.
Nachdem sich die
Gemüter beruhigt haben, die Wacker-Fans sich ihren Platz auf den Rängen
respektive Hängen gesucht haben, kann das Spiel beginnen. Der SK Ebbs
ist sehr familiär aufgestellt, unzählige Kinder tummeln sich, es gibt
sogar einen integrierten Spielplatz in der Anlage. Die Kinder sind nicht
nur beim Einlaufen der Mannschaften dabei, sondern bemühen sich auch um
Unterstützung ihres Vereins. Früh übt sich! Die Wacker-Szene, vom Stile
her eher italienisch geprägt, mit vielen jungen Anhängern gesegnet, hat
natürlich die akustische Hoheit. Zahlreiche melodische Gesänge gehen
gut ins Gehör.
Die haben auch viel zu feiern. Auf dem Platz hat
der FCW beim bisherigen Tabellen-Siebten leichtes Spiel. Der
Tabellenführer frühstückt die Ebbser
locker mit 3:0 ab und lässt nichts anbrennen. Der Aufstieg ist zwar
formal noch nicht perfekt, dürfte aber nicht mehr lange auf sich warten
lassen. Zuschauer kommen heute etwa 1000, eine durchaus beachtliche Zahl
für den kleinen Verein. Auskunft darüber gibt uns ein sympathischer
Vereinsoffizieller mit gelber Warnweste, der nicht nur euren Fotografen
mit Akkreditierung an das Spielfeld wandern lässt, sondern auch euren
geschätzten Schreiberling – ohne Akkreditierung, dafür mit gutem
Egger-Bierchen. :) Ja, insgesamt ein gastfreundlicher Verein, der SK
Freisinger.
Nach Spielende wird im Gästeblock weitergefeiert, für uns geht es zurück Richtung Norden, ein schöner Hopping-Ausflug geht mit einer Extra-Runde durch die Untiefen des Münchner Nahverkehrs zu Ende.